Letzter Gruß mit Luftballons
VON PETRA WOZNY, 20.03.12, 19:53h, aktualisiert 20.03.12, 20:00h
WEISSENFELS/MZ. Dienstag 13.45 Uhr: Eine Traube roter und blauer Luftballons steigt auf, schwebt über Gräbern des Friedhofes von Weißenfels in den Frühlingshimmel. Menschen bleiben stehen, verharren. Sie sehen auf die Trauernden, die vielen Blumen, die Kisten voller Plüschtiere und zwei offene, kleine Gräber. Das Geschwisterpaar, welches am 18. Februar beim Spielen in die Saale gestürzt und ertrunken ist, wurde am Dienstag in aller Stille beigesetzt.
Es war der Wunsch der Familie, dass die Trauerfeier für das fünfjährige Mädchen und seinen sechsjährigen Bruder im engsten Kreise abgehalten wurde. Mitarbeiter des Ordnungsamtes schirmten deshalb die Hinterbliebenen vor der Öffentlichkeit ab und gewährten ihnen so die Angemessenheit, in dieser schweren Stunde allein zu sein. Rechts und links des Eingangs der Kapelle nahmen Bürger die Gelegenheit wahr, sich in die Kondolenzbücher einzutragen, die mit den Worten "Was man tief im Herzen besitzt, kann man durch den Tod nicht verlieren" überschrieben waren. 13 Uhr nahmen die Mutter der toten Kinder, die Geschwister, Angehörige und Freunde in der Trauerhalle Platz. Kerzen tauchten einen kleinen weißen und einen blauen Sarg in warmes Licht.
Pfarrer Martin Schmelzer führte danach den Trauerzug an die Stelle, die zur letzten Ruhestätte der Kinder wird. "Ich habe selbst noch kein Kind beerdigt - und dann gleich zwei", sagte er sichtlich bewegt nach der Zeremonie. "Wir haben uns noch einmal der beiden Kinder erinnert, denen es nicht vergönnt war, erwachsen zu werden. Wir haben uns auch die quälenden Wochen ins Gedächtnis gerufen, als das Mädchen schon tot geborgen worden war und nach dem Jungen noch 25 Tage aufopferungsvoll gesucht wurde."
Noch einmal wird an diesem Frühlingstag alles lebendig: Am 18. Februar waren die beiden Kinder vom Spielen nicht heimgekehrt. Eine noch nie dagewesene Such- und Hilfsaktion setzte in Weißenfels ein. Hunderte Einsatzkräfte wollten nur eins: die Kinder lebend in die Arme schließen. Das Mädchen wurde am gleichen Tag tot aus der Saale geborgen. Die Familie erlebte eine unglaubliche Welle an Beileids- und Hilfsbekundungen. Zwei Gottesdienste hielt Pfarrer Schmelzer gemeinsam mit dem Oberbürgermeister der Stadt, Robby Risch (parteilos) ab. Am 13. März wurde es traurige Gewissheit: Auch der gesuchte Junge war ertrunken.
Tief bewegt, mit orangenen Rosen in der Hand, nahm OB Risch Abschied von den Kindern. "Ich kann es auch nach vier Wochen noch nicht fassen, welche Tragödie unsere Stadt erlebt hat. Ich wünsche der Familie Kraft und danke den Einsatzkräften für ihren ungebrochenen Einsatz unter zum Teil widrigsten, winterlichen Bedingungen. Wenn ich einen Hubschrauber höre, werde ich das Geräusch wohl noch lange mit diesem schmerzvollen Ereignis in Verbindung bringen." "Jeder stützt jeden in dieser Familie", schildert Pfarrer Schmelzer. "Das gibt mir die Hoffnung, dass die Trauernden wieder Lebensmut schöpfen. Ich habe meine Hilfe angeboten."
Quelle: http://www.mz-web.de
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